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Ostfriesische Küste

30.04.2015

Es ist mal wieder soweit, die Berge fallen mir buchstäblich auf den Kopf. Als gebürtiger Norddeutscher zieht es mich wieder einmal an die Küste unseres Landes. Es wird keine lange Reise, mir bleiben nur ein paar Tage. In einem Stück fuhr ich an diesem Tag hoch über Münster-Rheine bis nach Emden knapp 700 km durchs schöne Emsland. Diese Strecke rund um Papenburg säumen viele Moorlandschaften, die Autobahn zieht sich mitten hindurch. Ich musste daran denken als ich hier vor 25 Jahren mit Gleichgesinnten gegen die geplante Mercedes Versuchsstrecke demonstrierte, aber das ist lange her. Ich ließ mir viel Zeit und traf nachmittags gegen 16 Uhr in Emden ein. Ein schön gelegener, aber restlos überfüllter Wohnmobilstandplatz am Binnenhafen war mein erster Übernachtungsplatz. Bevor der Tag ausklang machte ich noch eine Stadtbesichtigung und schoss einige Fotos. Der Himmel an diesem und auch an den folgenden Tagen war grandios, ich mag diese gewaltigen Wolkentürme und die Weite und nahm alles begierig in mich auf. Der Vorrat davon muss ja danach wieder eine Weile halten.

01.05.2015

Rysum und Loquard, kleine sogenannte alte "Rundwarfendörfer" bäuerliche Siedlungen entstanden in der Zeit vor dem Deichbau waren mein nächstes Ziel. Alle Bauernhöfe gruppieren sich konzentrisch um die höchste Stelle der Warf und alle Wege und Gassen führen sternförmig zu diesem Punkt, auf dem immer die Kirche stand. Man stelle sich einmal vor, wie es wohl hier während der drei Elizabethfluten im 15. Jhd. zugegangen sein muss als der blanke Hans über 40.000 Tote forderte. Tiefe, dunkle rasende Wolken jagten über das Land, der ganze Himmel bebte...und das schwarze Wasser mit haushohe Wellen rückte schnell näher. Deiche gab es noch nicht. Die Menschen jagten sich und die Tiere die Warften hoch, immer der Kirche entgegen. Drinnen brauste die Orgel "Näher mein Gott zu dir..." War Rettung in Sicht? Und genau diese Orgel, eine der ältesten in Europa steht in Rysum in der alten, schlichten Backsteinkirche (übrigens alle luth/ev.)

Noch abends im Bett musste ich noch lange an solche dramatischen Zeiten denken.

 

02.05.2015

Auf dem Weg nach Greetsiel machte ich beim Campener Leuchtturm halt der immer noch im Betrieb ist. Ein stiller Parkplatz davor bietet sich übrigens auch als kostenloser Übernachtungsplatz an. Auf der anderen Seite der Bucht  Ems/Dollard blickt man auf die Industrieanlagen Delfzijl/Holland. Den Turm kann man besteigen, das Deichvorland bietet sich für herrliche Spaziergänge an. Ein junges Paar, zum ersten Mal mit einem alten Daimler unterwegs hatte auf diesem Platz einen Kabelbrand am Kühlschrank, es lief glücklicherweise glimpflich aus. Ich lud sie zum Kaffee in meinen Bus ein wo wir uns noch einige Zeit unterhielten. Hoffentlich habt ihr beiden noch schöne Tage gehabt!

Greetsiel hat sich trotz Touristen-Magnet noch seine Ursprünglichkeit erhalten. Viele alte Fischkutter liegen im kleinen Hafen, Kneipen und Restaurants laden zum Einkehren auf, natürlich mit allen möglichen Fischgerichten. Mein Tipp: Das "Fischhus" in einer Seitenstrasse bietet Fisch zum Verkauf sowie Verzehr an, direkt fangfrisch und preiswert.

Mich hat es abends in eine Hafenkneipe verschlagen, das Wohnmobil stand ja sicher auf einem Übernachtungsplatz (Parkplatz ohne Versorgung billiger). Köstritzer Altbier, dazu eisgekühlter Küstennebel (ein ostfr.Schnaps) für den Kapitän der Landstraße. 

 

03.05.2015

Kurz hinter Greetsiel zweigt links eine kleine Strasse ab zum Kanal mit Hebebrücke. Dort verbrachte ich den folgenden Tag zusammen mit einigen wenigen anderen Leuten. Ein echter Geheimtipp, dieser Platz. Solche kostenlose Übernachtungsplätze mag ich. Hier ließ ich die Seele baumeln und den Kopf vom Vorabend wieder klar werden. Für Unterhaltung sorgten zwei junge Leute mit ihren zwei Hunden. Das Plaudern mit ihnen über Reiseziele (besonders Marokko), Hundehaltung usw. war sehr unterhaltsam. Danke nochmal für euren Kaffee mit Keksen! Wer einen Fischereischein besitzt findet hier einen optimalen Angelplatz. Auch für Fahrradfahrer ein idealer Ausgangsort.

04.05.2015

Auf der Weiterfahrt nach Bensersiel ganz im Norden unterhalb der Insel Langeoog machte ich natürlich öfter halt um zu fotografieren. Auffallend die vielen Windräder, meiner Meinung nach zu viel des Guten obwohl ich als alter Anti-Atomaktivist für erneuerbare Energien bin. Aber ganze Dörfer damit ringsum buchstäblich zunageln zerstört ebenfalls Natur, von den Belästigungen der Bevölkerung ganz abgesehen. Diesbezüglich sieht es in Ostfriesland mittlerweile schlimm aus. Und dem dort dringend notwendigen Wirtschaftsfaktor Tourismus schadet es ebenfalls. Nur einige Bauern und Großinvestoren scheinen sich damit eine goldene Nase zu machen. "Bonzen und Bauern" dieser Spruch scheint hier aufzugehen.

In Bensersiel checkte ich auf dem großen Campingplatz ein, nicht bevor ich einen "exklusiven" Platz direkt am Strand in der ersten Reihe zugesprochen bekam. In der Nebensaison ziehe ich häufig Campingplätzen den Wohnmobilstellplätzen vor, da sie oft nicht oder unwesentlich mehr kosten und man hat hier die komplette Versorgung einschließlich Duschen am Platz. Das Wetter wurde immer schlechter und nachmittags fing es an zu regnen. Aber der Blick aus meinem Bus ging direkt übers weite Wattenmeer bis hinüber nach Langeoog. Also wurde ausgiebig gekocht, gegessen und abends der Laptop aufgeklappt, schließlich müssen diese Seiten auch zeitnah gepflegt werden. 

05.05.2015

Und weiter ging es nach Carolinensiel bzw. Harlesiel unterhalb den Inseln Spiekeroog und Wangerooge. Nicht weit von hier liegt Schillig, für mich ein Ort dunkler Erinnerungen. Als 6-jähriges abgemagertes Kind wurde ich 1958 dorthin zur Kindererholung geschickt....ganz alleine ohne Eltern. Seit diesen Zeiten schaue ich Sachen wie Schokopudding, dicker Reis mit Zimt usw. höchstens aus 10 Meter Entfernung an. Kurz und gut, man wurde tagtäglich vollgestopft mit diesem Zeug, umgeben von wachsamen, strengen Nonnenweibern, Schläge waren an der Tagesordnung, das Übergeben auch. Noch abgemagerter als zu Beginn nahmen mich meine Eltern nach sechs Wochen wieder in Empfang. Das zu Schillig. Aber noch bin ich in Carolinensiel und stehe auf einem Platz direkt an der Mole im Hafen wo ich auch übernachten werde. Vor mir liegen einige schöne alte Kutter und Schiffe im Hafen. Es ist windstill, der anliegende Badestrand (kein Sand) ist aber menschenleer. Viele Strandkörbe sind schon aufgestellt und geben ein malerisches Bild ab. Ein krönender Sonnenuntergang beendete diesen Tag.

06./07.05.2015

Mit diesen Fotos vom Sonnenuntergang an der Ostfriesischen Küste beende ich meine offizielle Fototour. Die zwei restlichen Tage nutzte ich für einen kurzen Besuch von Verwandten sowie für die lange Rückreise nach Süddeutschland. 

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"Vor uns lag noch ein längerer Weg. Uns sollte es   recht sein. Der Weg ist das Leben."      

                                                                                                                                                (Jack Kerouac)

 

„Wirklich weise ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat als die Realität zerstören kann"

   (Indianische Weisheit))

 


Meine Ausrüstung:

Pentax K-3 II Spiegelreflexkamera                                                                  Pentax 18-135mm Objektiv                                                               Pentax DA 16-85mm

Pentax DA 55-300mm Objektiv                                                                        Pentax DA 14mm Weitwinkel Objektiv                                      Stativ, Blitz und diverse Filter

 

                                              Die Fotos werden mit Lightroom etwas bearbeitet und archiviert. Ich fotografiere grundsätzlich im RAW-Format:


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