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Nord-Jütland

29.05.2016

In einem Rutsch ging es an diesem Sonntag nach Kaltenkirchen, nördlich von Hamburg. Hier gibt es einen kostenlosen WoMo-Stellplatz am örtlichen Thermalbad. Außerdem schön ruhig und viele Bäume. Abends machte ich die Bekanntschaft mit einem netten Ehepaar in meinem Alter. Im nahe gelegenen Bistro saßen wir noch lange und unterhielten uns über die alten Zeiten. Sie fuhren wie ich vor Jahren die ganze Palette an alten Daimler Kastenwagen wie zB den 406er oder 608er. Mit diesen schönen Erinnerungen schlief ich danach schnell ein.

30.05.2016

Obwohl ich von der langen Anreise und den Bieren am Vorabend noch ziemlich müde war, ging es weiter. Mit "On the Road again"...einem langen Boogie von Canned Heat aus den Lautsprechern erreichte ich schnell die Grenze bei Flensburg. Von dort fuhr ich nur noch auf Landstraßen durch das südliche Dänemark. Schnurgerade führen diese durch ausschließlich landwirtschaftliche Nutzflächen und einer leichten Hügellandschaft. Riesige Felder, alles grün, dazwischen leuchtender Raps und am Straßenrand häufige knallgelbe Ginsterbüsche. Traumstraßen können so nah liegen. Den deutschen Schilderwahn kennen die Dänen nicht, selten dass mal eins kommt.

Um 13 Uhr rollte ich auf die Insel Romö und fuhr sofort auf den riesigen Strand den ich von meiner vorigen Reise noch kannte. Bei 24 Grad gönnte ich mir nah am Meer das erste Sonnenbad. Kurze Zeit später kam Wind auf und wurde stärker. Er wirbelte viel Sand auf und einige Fahrzeuge fuhren sich fest und mussten rausgezogen werden. Es war Zeit wieder aufzubrechen. Im hohen Tempo fuhr über den weiten Strand zurück Richtung Ausfahrt und sah die Bescherung. Mitten in der Ausfahrt steckte ein großes Wohnmobil im Sand fest, da ging nichts mehr. Also ganz schnell reagieren, ich musste unbedingt das Tempo halten. Ich nahm die schmale linke Einfahrt in der Hoffnung dass jetzt niemand entgegen kommt und bretterte da einfach hindurch. Minuten später hatte mein "Tommy" wieder Asphalt unter den Rädern. Abends traf ich in Ribe ein, einer kleinen sehenswerten Stadt und hatte sogar noch Zeit auf ein Eis beim Italiener.

Auf dem kostenlosen WoMo-Stellplatz in Ribe Zentrum übernachtete ich, Seite an Seite inmitten anderer Wohnmobile, was ich so keine zwei Tage aushalten würde.

31.05.2016

Weiter nordwärts an Esbjerg vorbei bis nach Hvide Sande, dem legendären Anglerort. Natürlich standen dort wieder viele Angler und fingen Heringe oder Aale, allerdings keine üppigen Mengen wie ich schnell feststellte. Also ersparte ich mir die Kosten für die zwei Angelscheine und deckte mich dafür in einer der zahlreichen Räuchereien mit frischem Fisch ein um dann weiterzufahren bis nach Thorsminde, ebenfalls ein Anglerparadies. Am Museum, welches gerade umgebaut wird, ergatterte ich einen kostenlosen Stellplatz direkt an der Schleuse mit Blick über den kleinen Hafen.

Es war noch genügend Zeit für einen langen Abendspaziergang und einige Fotos. An der Küste hier gibt es kilometerlange Sandstrände. Auch die Zeugen einer unrühmlichen deutschen Vergangenheit sind in Form von alten Bunkerbauten noch sichtbar, die Überreste des von den Nazis erbauten Atlantikwalls.

01.06.2016

Während in Süddeutschland Katastrophenalarm war und viele Städte von Wassermassen buchstäblich überrollt wurden, war hier nichts davon zu spüren. Nur in der vergangenen Nacht tobte sich ein brachiales Gewitter aus in einer Stärke, wie ich es bisher noch nie erlebt habe. Ununterbrochen krachten Blitz und Donner um mich herum während es eimerweise aufs Dach schüttete. Aber morgens lachte wieder die Sonne vom Himmel und es wurde wieder schnell ganz warm. 

Der Leuchtturm "Bovbjerg Fyr" bei Ferring an der Steilküste Jütlands war mein heiß ersehntes nächstes Ziel. Ich kannte ihn von meiner vorigen Reise, ein Traum-Stellplatz schlechthin. Der Blick von dort schweift entlang der Klippen weit über das Meer und was liegt näher als beide Hecktüren weit zu öffnen und bei einer Kanne Kaffee auf der Rücksitzbank liegend diesen Ausblick zu genießen. Ich bekochte mich mit gebratenem Dorsch und einigen Beilagen, las nach dem großen Abwasch weiter die Autobiografie von Neil Young und ließ den wundervollen Tag ausklingen. Ganz zu schweigen von einem stundenlangen Marsch am kilometerweiten Strand und der erfolglosen Bernsteinsuche.

02./03.06.2016

Dieser Platz ist so schön, dass ich bestimmt ein weiteres Mal hier landen werde. Aber erstmal ging es weiter entlang der Westküste immer nordwärts. Von Ferring führte meine Route nach Thyboron, ebenfalls auf einer Landzunge gelegen aber eigentlich uninteressant. Schnell ging es mit einer kleinen Fähre auf die andere Seite und weiter bis nach Nörre Vorupör. Dieses Teilstück war wieder außerordentlich schön, links und rechts wechselten sich Wald- und Heidelandschaft ab. Die Strasse führte durch den Thy Nationalpark.  Nörre Vorupör liegt mitten drin im Park am Meer und lebt außer vom Fischfang noch vom Tourismus, der sich allerdings zu dieser Zeit in Grenzen hält. Im kleinen Supermarkt gleich nach der Einfahrt befindet sich auch die Anmeldung für den einzigen Campingplatz "Strandgardens Camping" wo ich dann auch eincheckte. Auf den ersten Blick wirkt er nicht gerade einladend aber beim Suchen nach einem geeigneten Standplatz fährt man auch auf die obere Seite und befindet sich inmitten der Dünen und sieht von dort auf das hier wirklich noch wilde Meer. Da noch viele Plätze frei waren stand ich kurze Zeit später auf meinem Traumplatz und blieb dort 2 Tage. Beim Schreiben dieser Zeilen ärgere ich mich, dass ich dort nicht noch länger geblieben bin. Für 11 € pro Tag einschließlich Strom und freies Wlan ist dieser Platz überwältigend preiswert...nun gut, die Sanitäranlagen waren noch Baujahr 70er Jahre aber dafür sauber, die Duschen funktionierten tadellos.

Lange Strandwanderungen wechselten sich ab. Einmal nach rechts zum kleinen Hafen wo die Fischerboote alle an Land liegen und die Surfer sich austoben, und am nächsten Tag früh morgens kilometerweit nach links bis an den Horizont ohne jemand zu treffen. Die harte Brandung mit meterhohen Wellen und dazu 25 Grad Lufttemperatur, es war einfach umwerfend. Die Karibik kann nicht schöner sein. Übrigens auch ein Paradies für Hunde, die sich hier richtig austoben können. Die Fischräucherei im Hafen ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

04.06.2016

Etwas weiter gen Norden liegt Hanstholm, eine Stadt mit Dänemarks größter Fischindustrie, man riecht es schon von weitem. Im Hafen gibt es einen kleinen Fabrikladen, wo man fangfrischen Fisch sehr günstig einkaufen kann. Mit einem halben Meter feinstem Fischfilet vom Steinbeißer für 5 € fuhr ich zum Leuchtturm hoch wo man frei übernachten kann. Aber da es noch Vormittag war, zog ich weiter über Lökken bis nach Rubjerg Knude, einem riesigen Dünen-Sandkomplex mit einem alten Leuchtturm, der wohl in der nächsten Generation vollends vom Sand verschluckt sein wird. Ein "Muss" für jeden heutigen Jütlandbesucher. Bei sagenhaften 29 Grad schleppte ich mich vom Parkplatz (Übernachtungsverbot) mit der Fotoausrüstung hinauf zur Spitze und genoss die gigantische Umgebung und den Ausblick. Zur anderen Seite hin fallen die Dünen sehr steil ins Meer ab und große Vorsicht ist hier geboten. Einige Mauern wurden schon vom Sand verschluckt, man sieht viele Überreste. Der Turm selbst steht unmittelbar an der Kante, man darf ihn noch besteigen. Man befindet sich hier auf dem größten Wanderdünen-Komplex Europas. 

Ein weiteres Highlight sind die Überreste des Friedhofes "Marup Kirke", in unmittelbarer Nachbarschaft des Ortes Lönstrup. Dieser alte Friedhof liegt auch an den Klippen, jedes Jahr bricht ein weiteres Teilstück weg. Alte Grabsteine, verrostete Zauneinfassungen sind noch die Überreste der an dieser Stelle einmal gestandenen Kirche. Ein mystischer Ort. Kinder und Hunde unbedingt an die Hand bzw. Leine nehmen, da Absturzgefahr! Auch nicht zu dicht an den Rand treten, die Hänge stehen oben über. Von hier aus kann man auch zu Fuß bis zur Sanddüne wandern. 2 Wohnmobile haben Platz zum freien Übernachten.

05.06.2016

In Tornby bin ich auf den großen Strand gefahren, wo man mit dem Fahrzeug bis 22 Uhr stehen darf. Der Tag war so schön, dass ich hier den ganzen Tag am Strand verweilte. Abends fuhr ich 300 Meter auf den Parkplatz eines Restaurants wo eine freie Übernachtung erlaubt ist, richtiges Einparken vorausgesetzt.

06./07.06.2016

Über Aalborg, Aarhus vorbei ging es heute bis nach Silkeborg ein ganzes Stück südwärts. Etwas südwestlich von Silkeborg gibt es einige wunderbare Seen, die landschaftlich sehr schön liegen und an Südschweden erinnern. Da es fast schon zu heiß war, machte ich mehrmals Picknick im Schatten von Bäumen am Rand des größeren Sees "Mossö". Nachmittags fuhr ich zu den Überresten des "Öm Klosters" an der nördlichen Seite des Mossö. Der ruhige Parkplatz dort bietet sich auch zum freien Übernachten an. Das ehemalige Kloster besteht heute aus einem 1 ha großen Ruinenfeld und einem Klostermuseum, ein Besuch lohnt sich aber (5 € Eintritt). Beeindruckend ist die große Schädel- und Skelettsammlung. Die Mönche vor fast 1.000 Jahren hatten beachtliche chirurgische Kenntnisse, und schreckten auch nicht vor Operationen am offenen Schädel zurück, was man heute noch sehen kann. Bei dieser Vorstellung läuft es einem eiskalt den Rücken herunter.

Nach dem Besuch fuhr ich auf die südliche Seite des Mossö-Sees und suchte mir einen lauschigen Übernachtungsplatz, den ich auch schnell fand. Am nächsten Tag ging es nach Deutschland zurück. 

Kommentare: 2
  • #2

    Team Ferdinand (Dienstag, 14 Juni 2016 09:46)

    Schön sieht's aus in Jütland. Wir kennen die Gegend bislang leider nur als Transitstrecke nach Norwegen, und fanden's von der Autobahn aus nicht so attraktiv. Aber so ist das ja oft: Wer zu schnell unterwegs ist (ok, schnell ist bei unserer Durchschnittsautobahngeschwindigkeit von 85 km/h relativ), kriegt nix mit... Vielleicht sollten wir uns Jütland doch mal vorknöpfen :-)
    LG Steffi vom Team Ferdinand

  • #1

    Sascha (Montag, 13 Juni 2016 21:58)

    Sehr schön geschrieben.

    Ich kenne auch etliche Stellen schon länger , war aber leider sehr lange nicht da . Aber so etwas ist sehr schön dann weiß man mal wie es mittlerweile aussieht da.

"Vor uns lag noch ein längerer Weg. Uns sollte es   recht sein. Der Weg ist das Leben."      

                                                                                                                                                (Jack Kerouac)

 

„Wirklich weise ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat als die Realität zerstören kann"

   (Indianische Weisheit))

 


Meine Ausrüstung:

Pentax K-3 II Spiegelreflexkamera                                                                  Pentax 18-135mm Objektiv                                                               Pentax DA 16-85mm

Pentax DA 55-300mm Objektiv                                                                        Pentax DA 14mm Weitwinkel Objektiv                                      Stativ, Blitz und diverse Filter

 

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