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Neue Reise in den hohen Norden

28.08.2018

Nach einer schönen Schiffsfahrt von Kiel nach Göteborg durchfuhr ich heute Schweden in der Breite von West nach Ost und landete ca. 600 km in Axmary am finnischen Meerbusen, etwa 100 km nördlich von Stockholm. Es war ein harter Ritt auf der E20, E18, R56 und E4 der mir alles abverlangte. Das Landesinnere ist hier weitestgehend von Landwirtschaft geprägt. Mit 12-17 Grad bei bedecktem Himmel zeigte sich das Wetter zum Fahren ideal. In Axmary gibt es einen kleinen Stellplatz in traumhafter Lage mit Blick auf kleine vorgelagerte Inseln im Meer. Ich hoffe morgen bei Sonnenaufgang auf etwas Nebel zum Fotografieren.

29.08.2018

Der Nebel kam, aber eher als dicke Milchsuppe und zum fotografieren völlig ungeeignet. Man konnte nur etwa 50 Meter sehen. Und ich bin extra um 5.oo Uhr morgens aufgestanden trotz Erkältung die ich mir wohl auf dem Schiff eingefangen habe. Also wurde ausgiebig gefrühstückt und die neue Tagesroute abgesteckt. Kurz und gut, an diesem Tag fuhr ich 250 km weiter gen Norden immer am bottnischen Meerbusen entlang. Die E4 fährt sich fast wie auf einer Autobahn, ist sie doch die Hauptverkehrsader von Süd- nach Nordschweden. Gestern noch ein kostenloser Stellplatz und heute fand ich einen für 5,oo Euro irgendwo vor Umea an einem kleinen Schiffsanleger. Unterwegs passierte ich die gewaltige Högakustenbrücke, die erst 1997 fertiggestellt wurde. Mit einer Länge von 1867 Meter und einer Höhe von 180 Meter überspannt sie den Fluss Angermanälven. Sehr beeindruckend! Das Wetter ist weiterhin meist bedeckt bei 12 bis 16 Grad. 

30.08.2018

Was soll ich sagen, heute kam das Lappland-Fieber über mich. Nach weiteren 350 km traf ich in Fällfors ein, einem kleinen Nest im Landesinnere. Auf kleinen Straßen und einer längeren Wellblechpiste fuhr ich vormittags durch eine lieblich, bäuerliche Landschaft die immer wieder unterbrochen wurde durch größere Waldabschnitte und kleinen und großen Seen. Ohne Karte geht hier oben nichts mehr. Da für Schweden auch Lehmpisten zum Straßennetz gehören, sucht das Navi natürlich immer die kürzeste Route egal wie der Zustand ist. Die gelben Straßen auf der Karte können eben ziemlich mies sein. Also möglichst nur die rot markierten Straßen fahren. Das Fieber packte mich nachmittags auf einem kleinen Angler-Campingplatz und hält mich auch jetzt noch gefangen. Ich stehe am berühmten Lachsfluss Byskeälven der aus dem weit entfernten Gebirge an der norwegischen Grenze hier ins Meer hinunter rauscht. Zur Zeit ist das Angeln aber untersagt. Ansonsten ist eine Tageslizenz für 38 Euro zu haben.Gegen Abend wurde es dann richtig mystisch. Vielleicht trug auch meine Musik von Amon Düül II dazu bei. Ein kompletter Regenbogen überspannte den Fluss und es glühte der Abendhimmel im Westen. "Und ewig singen die Wälder"...ein Buch, welches ich angefangen habe zu lesen, passt dazu gerade richtig. Hölle und Paradies.....das findet der Mensch nicht im Jenseits sondern hier auf unserem wunderbaren Planeten. Diese Landschaft ist ein Teil des Paradieses und ich werde sie in den folgenden Tagen und Wochen genießen. 

31.08.2018

Tief hinein nach Lappland ging es heute. Die Sonne lachte vom Himmel bei 14 Grad Tagestemperatur und die Fahrt ging von morgens bis spät nachmittags insgesamt 500 km auf teilweise schlechten Straßen. Mir kam es vor als sei ich im Niemandsland unterwegs, nur noch ganz vereinzelte Häuser. Dafür endloser Wald, Sümpfe und Seen. Meist war ich ganz alleine auf den endlosen kleinen Straßen, selten kam  mir ein Auto entgegen. Nur Rentiere wechselten des öfteren die Straße. Eine Landschaft, die es kein zweites Mal in Europa gibt. Da es links und rechts der Straßen meist sumpfig war fand sich kein Stellplatz und die wenigen kleinen Rastplätze lagen mir zu einsam im Wald und wirkten etwas unheimlich. Ich kannte das ja schon von meinen vergangenen Reisen, besonders wenn es dunkel wird. Teilweise sind es 50 km bis zur nächsten Ansiedlung. Also fuhr ich bis nach Karesuando, Schwedens nördlichster Stadt mit 280(!) Einwohnern und checkte auf einem kleinen Campingplatz ein.Ein akzeptabler Preis von 11 Euro war mit dem Besitzer schnell ausgehandelt. Es ist 21 Uhr und langsam geht das Tageslicht zur Neige während der Himmel im Westen wieder rotgelb leuchtet, 

01.09.2018

Es war eine kalte Nacht, aber sternenklar. Morgens gegen 7.30 Uhr zeigte das Thermometer -2 Grad an, der erste Frost war da. Etwas mulmig ist mir schon wenn ich daran denke, dass es bei bedecktem Himmel auch schneien könnte. Aber dafür sind die Tagestemperaturen mit 11-13 Grad doch noch zu hoch. Natürlich habe ich warme Kleidung und zwei Schlafsäcke samt Federbett und Wolldecken dabei. Auch lange Unterhosen fehlen nicht. Grundsätzlich fahre ich mit Winterreifen (auch im Sommer). Nach der anstrengenden Fahrt gestern fuhr ich heute nur 140 km nach Finnland rüber und auf der herrlichen E8 bis nach Kilpisjärvi, dem Grenzort zu Norwegen. Die Weite der unberührten Landschaft wird nur durch das endlose Band der Straße zerschnitten. Rentiere kreuzen immer wieder die Fahrbahn. Die Bäume sind hier nur noch sehr klein, ich befinde mich in der Polarzone ca. 300 km oberhalb des Polarkreises. Es ist Herbst, der hier bald schon in den langen, harten Winter übergeht. Aber noch ist es nicht soweit. Kurz nach Kilpisjärvi, einem kleinen Kaff mit Tankstelle und einem Lebensmittelladen,fand ich einen Parkplatz abseits der Straße mit herrlicher Aussicht. Hier bleibe ich erstmal und hoffe, dass die Nacht so klar wie dieser schöne Tag bleibt. Denn ich will sie endlich wieder sehen, die Polarlichter, aber es bleibt ein Glücksspiel. 

02.09.2018

Lange blieb ich wach aber es zeigten sich wieder einmal keine Nordlichter. Dafür fing es mitten in der Nacht an zu regnen und den ganzen Tag heute war es bedeckt. Langsam ließ ich mich von der Hochebene nach Norwegen runter zum Storfjord treiben unterwegs durch eine grandiose baumlose Fjelllandschaft. Ein unendliches Wanderparadies. Ein kleines Stück dann auf der E6, der Nordkap Rennstrecke, dann bog ich ab in eine kleines Seitental und holperte auf sandiger Schlaglochpiste etwa 17 km bis zu einem kleinen Wasserfall. Die Wasserstände der Flüsse sind aufgrund der großen Hitze im Sommer zur Zeit recht niedrig. Hier machte ich ein paar Fotos und streifte etwas umher. Nach einem üppigen Mahl aus der Bordküche und einem Nickerchen, während es draußen regnete, ging es danach zurück an den Fjord und weiter bis Olderdalen. Von hier will ich morgen mit der Fähre übersetzen und Richtung Tromsö fahren. Während ich dies schreibe stehe ich in Olderdalen hinter der Dorfkirche auf einem kleinen Parkplatz und werde hier übernachten.

03.09.2018

Die meisten Polarexpeditionen gingen von der Stadt Tromsö aus. Als Kind verschlang ich die Bücher über diese Expeditionen. Große Namen wie Roald Amundsen, Fridjof Nansen oder Otto Sverdrup auf die alle Norweger stolz sind. Und in Tromsö stehe ich jetzt unmittelbar am Polar-Museum. Mit zwei Fähren und bei peitschendem Regen ging es über den Fjord dorthin. Mittendrin machte ich einen Abstecher in die fast unbekannten Lyngser Alpen, einen mächtigen Gebirgskamm mit schroffen Bergen. Dort wanderte ich einige km bis zu einem Bergsee und einer Schutzhütte und machte Fotos. Kein Mensch weit und breit. Als es heftiger anfing zu regnen, trat ich den Rückzug an und rollte danach nach Tromsö. Per Zufall fand ich schnell einen Parkplatz direkt an der berühmten Eismeerkathedrale mit ihrer einmaligen Architektur.

04.09.und 05.09.2018

Vom 04.09. gibt es keine Fotos, da es den ganzen Tag regnete und am 05.09. bis Mittag dichter Nebel herrschte bei Temperaturen von 1 - 3 Grad. Dazu kam mächtig Frust bei mir auf, da nach der Abfahrt aus Tromsö ins 90 km entfernte Sommeroy die Straßen miserabel waren und die Tour letztlich umsonst war, da die Fähre von Sommeroy zur Insel Senja ihren Dienst Ende August eingestellt hat. Bei strömenden Regen musste ich also einen 350 km langen Umweg über Land in Kauf nehmen, wieder auf sehr holprigen Straßen. Völlig erschöpft landete ich am Abend des 04.09. irgendwo auf einem Wanderparkplatz als es plötzlich an der Tür klopfte. Ein Norweger teilte mir mit, dass ich da nicht stehen konnte weil mitten in der Nacht ein riesiger Truck auf den Platz ankommt. Ich sollte doch 100 Meter weiter zwischen Müllcontainer und einem Auflieger parken. Da es schon dunkel war blieb mir nichts anderes übrig. Also alles abräumen und rüber kurven und danach fix ins Bett. Es schüttete aus Kannen bei nahe Null Grad. Hier wollte ich aufhören und nach Hause fahren....mal eben schlappe 3.000 km.

Der nächste Tag war anfangs nicht besser, aber natürlich dachte ich nicht ans Aufgeben da der besagte Nebel sich mittags lichtete und sogar die Sonne kam hervor, ja es wurde besser und besser einschließlich meiner Stimmung. Also wieder zurück ans Nodmeer, diesmal nach Hinnoya genauer gesagt bis an die Spitze nach Bremnes wo ich einen Parkplatz fand mit herrlichem Blick auf das offene Meer und einigen vorgelagerten Inseln. Da ich unterwegs frischen Kabeljau kaufen konnte, machte ich danach zur guten Stimmungslage selbstgemachten Kartoffelsalat mit gebratenem Fisch und lasse jetzt diesen Tag ausklingen. Es ist immer noch schön, die Sonne scheint und der Himmel ist zu 50% frei von Wolken. Ideale Voraussetzungen für.....na ja ihr wisst schon.

 

06.09.2018

Es war eine sternenklare Nacht und ich blieb bis 2.oo Uhr morgens wach bzw. draußen vor dem Auto. Es war sehr dunkel, aber dann zeigten sich doch noch die ersten Polarlichter am Horizont. Sie waren allerdings nicht spektakulär aber immerhin sehr mystisch. Ich freute mich natürlich, dass sich das Warten gelohnt hatte. Morgens fuhr ich dann gegen 10.oo Uhr weiter und befinde mich immer noch am Meer am Ofotfjord in Fjelthem auf einem kleinen Stellplatz. Hier versuche ich mein Glück heute Nacht noch einmal.

Bei Nacht zu fotografieren ist nicht ganz einfach und erfordert viel Fingerspitzengefühl. Ein Stativ ist ganz wichtig ebenso ein Fernauslöser. Es sollten keine Lichtquellen in der Nähe sein. Meine Einstellungen: Entfernung und scharf stellen auf Unendlich, manuelle Belichtung auf 30 Sek., Blende 3,5 bis 4,5 und ISO 800 und natürlich im RAW Format.

07.09.2018

Diesen Tag habe ich zur Entspannung genutzt, immer noch auf dem schönen Stellplatz am Ofotfjord. 

08.09.2018

Vor genau 30 Jahren startete ich zusammen mit einem Freund und meiner Tochter in Björkliden bei Abisko eine 3-wöchige Trekkingtour auf dem Grenzpfad von Troms mit Zelt,Kocher, Karte und Kompass etc. Navi und Smartphone gab es zu dieser Zeit noch nicht. Und genau hier in Björkliden stehe ich jetzt auf einem kleinen Wanderparkplatz am See. Bevor ich aber hier eintraf machte ich eine größere Wanderung in ein abgelegenes Hochtal. Bei Sonnenschein ging es 12 km über Stock und Stein. Belohnt wurde der schweißtreibende Marsch mit bizarren Felsformationen und einem herrlichen Weitblick. 

Nachtrag:

Nachdem ich diese Bilder eingestellt hatte wollte ich zu Bett gehen aber ich bemerkte nachts gegen 23.00 Uhr ein Flackern vor dem Fenster. Sofort war ich hellwach und schnappte Kamera und Stativ und stolperte zum See Torneträsk hinunter. Polarlichter! Und diesmal wesentlich intensiver. Hier einige Bilder ganz exclusive:

08.09. bis 12.09.2018

Nach den sensationellen Polarlichtern reiste ich weiter durch Lappland von Abisko hinunter nach Strömsund und danach durch Mittelschweden bis  zum Vänern See. Es war ein langer Ritt über 1.500 km. Aber da das Wetter in Lappland immer schlechter wurde, kalt, windig und regnerisch, zog es mich wieder Richtung Süden. Unterwegs machte ich einen Abstecher in den Hamra Nationalpark mit der höchsten Braunbären Dichte in ganz Schweden. Etwas komisch wurde mir schon bei meiner Foto-Exkursion am frühen Morgen. In der Parkbechreibung auf deutsch hieß es: "Interessant ist u.a. die Suche nach Bären Spuren und deren Hinterlassenschaften,man sollte beim Wandern laut singen oder reden, dann flüchten die Bären...." Nein Dankeschön nicht mit mir! Leider las ich dieses an einer Tafel als ich wieder zurück war, aber wie ihr ja merkt lebe ich noch. 

Die Strecke von Lappland hinunter ist zu 90% durch Wald geprägt, durchzogen von unzähligen großen und kleinen Seen. Immer muss man ein Auge auf die Waldränder haben, da mit Kollisionen durch Wildwechsel ständig zu rechnen ist. Ein großer Elch wechselte nur 200 Meter vor meinem Auto die Fahrbahn, zwei Renntieren konnte ich nur mit einer Vollbremsung ausweichen.  Aber jetzt stehe ich auf einem meiner Lieblings-Stellplätzen am Vänern. Seeblick, sehr ruhig, Dusche, Küche etc. alles für 12 Euro. Da kommt mancher Campingplatz nicht mit. 

13.09. bis 17.09.2018

Nach dem Aufenthalt an den großen Seen Vänern und Vättern in Schweden ging es zurück "back home" in den Schwarzwald. Dort traf ich am 17.09.2018 ein. Mittlerweile brach in Nord-Skandinavien der Winter ein, es fing dort schon an zu schneien während die Hitzewelle in Süddeutschland andauert. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Olaf (Donnerstag, 06 September 2018 10:19)

    Echt spannend zu lesen. Ich hoffe du hast eine schöne Reise und versorgts uns noch mit schönen Fotos.

    Viele Grüße

  • #2

    Helmut (Mittwoch, 12 September 2018 21:01)

    Dein Bericht macht echt Lust auf eine Skandinavientour�
    Tolle Fotos von den Polarlichtern!
    Würde sie auch gerne mal life sehen.
    Weiterhin eine spannende Tour, las Dich nicht fressen!

"Vor uns lag noch ein längerer Weg. Uns sollte es   recht sein. Der Weg ist das Leben."      

                                                                                                                                                (Jack Kerouac)

 

„Wirklich weise ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat als die Realität zerstören kann"

   (Indianische Weisheit))

 


Meine Ausrüstung:

Pentax K-3 II Spiegelreflexkamera                                                                  Pentax 18-135mm Objektiv                                                               Pentax DA 16-85mm

Pentax DA 55-300mm Objektiv                                                                        Pentax DA 14mm Weitwinkel Objektiv                                      Stativ, Blitz und diverse Filter

 

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