· 

Küstentour Februar 2019

Wieder einmal zieht es mich Richtung Meer und zwar in meine alte Heimat im Norden Deutschlands. Normalerweise fährt man nicht gerade im Februar dorthin, aber ich tue es einfach aus der Spontanität heraus obwohl der Süden Deutschlands zur Zeit ungewöhnlich warm ist. Aber so ist das eben wenn unsereins eben die kühleren Gefilde bevorzugt. Ein paar Ziele habe ich mir gesteckt, aber nicht wirklich um ehrlich zu sein. Einfach mal wieder "on the Road" zu sein, nur das zählt. 

 

27./28.2.2019

Es fuhr sich bis auf die Staus am Westhofener Kreuz bei Dortmund recht flott. Ab Münster dann die gewohnten Gerüche, ein Gemisch aus Gülle und Hühnerkot. Die Region der deutschen Massentierhaltung und Sitz einiger Hähnchenbarone. Der Kampf gegen dieselben in den 80er und 90er Jahre hat außer Ärger damals für uns nicht viel gebracht. Ein paar Zentimeter mehr Freiheit für die Käfighaltung, das wars. Kurz hinter diesem Gülle-Gürtel bog ich dann ab in die Alhorner Heide, es ging an Deutschlands Gasfeldern (ja sowas gibt es hier tatsächlich) vorbei bis nach Hude, meiner Geburtsstadt. Dort übernachtete ich und schwelgte etwas in Erinnerungen. Am nächsten Morgen besuchte ich noch den örtlichen Friedhof mit der alten Friedhofskirche aus dem 12. Jhd., unser altes selbst verwaltetes Jugendzentrum aus den wilden 70er, und rauschte im Nebel bei 4 Grad Außentemperatur weiter Richtung Norden. 

Das "Schwimmende Moor" am Jadebusen sollte mein nächstes Ziel sein. Es ist einzigartig in der Welt und ein Restbestand der Sturmfluten, welche vor 1000 Jahren den ganzen Jadebusen entstehen ließ. Leider war der Rundweg abgesperrt und abseits zu laufen wäre viel zu gefährlich gewesen wenn man nicht als Moorleiche enden wollte. Obwohl dadurch eine Jahrtausend alte Konservierung möglich wäre. Dabei erinnerte ich mich an die Moorleiche im Oldenburger Heimatmuseum, die ich als junger Schüler besichtigen musste. Es war ein junges Mädchen aus der Zeit des frühen Mittelalters oder das was davon noch übrig war. Schaurig!

Also zwei Fotos vom Moor und dann ab weiter nach Neuharlingersiel an die Nordseeküste, unterhalb der Insel Norderney. Dort gibt es einen Stellplatz direkt am Meer und natürlich hatte ich Glück, trotz der schon zahlreichen Wohnmobile, mir einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Hier habe ich Strom und kann an diesem Blog schreiben. Mit Laptop ist man doch schon ziemlich vom Strom abhängig. Mit dem Tablet wäre ich besser bedient gewesen, aber das nächste mal wieder.

01.03.2019

Der Ort Neuharlingersiel ist sehr schön. Am Vorabend machte ich noch ein paar Nachtaufnahmen bevor es heute weiterging. In der Fischerei Genossenschaft gibt es zahlreichen, fangfrischen Fisch zu kaufen zu sehr günstigen Preisen. Auch speisen kann man hier vorzüglich. Meine Fahrt ging weiter entlang des Deiches nach Bensersiel und Dorumersiel wo man wieder gut

im Hafen mit dem Wohnmobil stehen kann, allerdings nur bis 22 Uhr. Jetzt wehte ein eisiger Wind oder wie der Ostfriese sagt "eine steife Brise". Zeit also für einen Ostfriesentee mit einem Stück Apfelkuchen mit Blick zur Nordsee und der vorgelagerten Insel Langeoog. Danach setzte ich die Fahrt fort, vorbei an Ansammlung zahlreicher Windräder die hier die Landschaft regelrecht "verspargeln". Aber Greta, die kleine, selbsternannte Klimaschützerin wird es freuen, mich allerdings weniger da um so mehr Atomstrom und Kohle aus dem Ausland importiert wird. Die schlimmsten Übeltäter sind sowieso die Dieselfahrer, ich bin einer davon. Heute sah ich einen Typ mit einem großen TShirt-Aufdruck DIESEL. Sowas fehlt mir auch noch.

Der kleine Ort Dornum liegt unmittelbar an einer dieser riesigen Ansammlungen von Windrädern. Aber mittendrin im Ort gibt es dafür ein sehenswertes Wasserschloss, ein weiteres Ziel meiner Reise. Ich machte einige Fotos und steuerte danach einen ruhigen Stellplatz in Hage an, etwas 15 km von der Küste entfernt. 

02./03.03.2019

Ein weiteres Wasserschloss ist die Lütetsburg bei Norden. Dorthin ging es auf der weiteren Tour. Ich besuchte den riesigen Park, der im Februar natürlich noch im Winterschlaf lag. Allerdings entdeckte ich dort einen seltsamen, uralten Baum in der Form einer Krake. Zusammen mit einem alten Grabstein strahlte dieser Platz etwas Mystisches aus. Da ich ganz alleine war und niemand fragen konnte, blieb es für mich ein Rätsel. Das einzige was hier blühte waren Märzbecher oder Schneeglöckchen. Nachmittags fuhr ich weiter Richtung Greetsiel nicht um vorher einen weiteren Abstecher zum Pilsumer Leuchtturm zu machen den ich von früheren Fahrten schon kannte. Auch bekannt durch den Spaßvogel Otto Walkes, dem dieser Turm als Kulisse für seinen ersten Film diente. Er hüpft auch heute noch mit fast 80 Jahren wie damals über die Bühne, es tut mit leid, mein Fall war er nie. Nach der Fotosession am Leuchtturm ging es dann zum großen Stellplatz nach Greetsiel mit den beiden Windmühlen als Wahrzeichen. Auch diese konnte ich zur sogenannten blauen Stunde am Abend ablichten und kroch dafür auf einer dunklen Wiese am Kanal entlang. Mit voller Ausrüstung und Stativ nicht ganz einfach. Ein paar Angler saßen am Lagerfeuer und warteten auf ihr Glück in Form von kapitalen Karpfen die hin und wieder im Wasser sprangen. Zur später Stunde, es war mittlerweile stockdunkel, machte ich noch einen Sparziergang durch Greetsiel mit seinem kleinen, historischen Kern. Ein Wirrwar von kleinen Gassen und gemütlichen Kneipen sowie einem kleinen Kutterhafen, den ich bei Nacht fotografierte. 

Nach einer stürmischen Nacht im Wohnmobil fuhr ich am nächsten Tag weiter nach Ditzum an der Ems-Mündung. Auch diesen Ort kannte ich schon, ist aber immer wieder ein Abstecher wert. Nicht zuletzt wegen den Köstlichkeiten rund um Fisch, aber auch seines sehr guten Wohnmobilstellplatzes wegen, besser gesagt von zwei. Für 9€ hat man hier den vollen Service. Aufgrund von vielen Karneval-Flüchtigen waren die Plätze aber rappelvoll. Da es den ganzen Tag regnete, ging ich den kulinarischen Genüssen nach und aß in einem Restaurant Kabeljau und Seelachs vom Feinsten, zusammen mit Bratkartoffeln, Gemüse und Salat. Dazu ein friesisches Pils einer bekannten Brauerei aus Jever. Prost!

04.03.2019

Weiterhin sitze ich in Ditzum an der Emsmündung zum Dollart fest.  Den ganzen Tag gibt es mächtig Sturm mit Orkanböen. Aber ein Tag ohne Fahren tut auch mal gut. Wie schon erwähnt, bietet der Stellplatz für 9€ den vollen Service einschließlich  Waschraum mit drei Duschen. Wie auf einem Campingplatz nur preiswerter. Den Tag vertreibe ich mit Kochen, Spazierengehen (was nicht so ganz einfach ist) und Internet. Kostenloses WLan hat der Platz natürlich auch. Da Edeka gleich nebenan ist, gibt es natürlich auch Kuchen und Kaffee. Ich will nur hoffen, dass es mit dem Orkan zu keiner Sturmflut kommt. Eine furchtbare Sturmflut habe ich als Jugendlicher  Ende der 60er Jahre erlebt als das Wasser nur noch 10 cm unter der Deichkrone stand. Hier noch ein Foto von dem 2. Wasserschloss.

05.03.2019

Nachdem der Sturm sich in der Nacht gelegt konnte ich Ditzum morgens verlassen und nahm mein nächstes Ziel ins Visier. Schon mal mit dem Auto auf meine Bohrinsel gefahren? Im Dollart hat man vor einigen Jahrzehnten im Meer nach Gas gebohrt. Eine ehemalige Bohrplattform kann man heutzutage über einen Wattweg mit dem Auto erreichen, sollte aber tunlichst vor der Flut wieder zurück sein. Also nichts wie hin. Ganz alleine stand ich dann einige Stunden dort und genoss die 360 Grad Aussicht und Blick auf die holländische Seite, Kochen und Mittagsschlaf inclusive. Gegen 15 Uhr ging es weiter zum kleinen Dorf Bunde. Dort lockt die noch völlig intakte, alte gewaltige Windmühle aus dem 19. Jhd. Der blaue Himmel mit den Wolken ergeben einen fantastischen Hintergrund für diese majestätische Windmühle. Von Bunde fuhr ich etwas weiter nach Weener um dort auf dem sehr schönen Stellplatz am Hafenbecken einzuchecken. Die bezaubernde kleine Altstadt mit den alten Kähnen ergeben ein malerisches Bild. Für 10€ inclusive Strom, Dusche etc. ein lohnenswerter Stellplatz. 

06.03.2019

Am Aschermittwoch ging es bei Regen zurück nach Hause. Hier endet meine Rundfahrt durch Ostfriesland.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

"Vor uns lag noch ein längerer Weg. Uns sollte es   recht sein. Der Weg ist das Leben."      

                                                                                                                                                (Jack Kerouac)

 

„Wirklich weise ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat als die Realität zerstören kann"

   (Indianische Weisheit))

 


Meine Ausrüstung:

Pentax K-3 II Spiegelreflexkamera                                                                  Pentax 18-135mm Objektiv                                                               Pentax DA 16-85mm

Pentax DA 55-300mm Objektiv                                                                        Pentax DA 14mm Weitwinkel Objektiv                                      Stativ, Blitz und diverse Filter

 

                                              Die Fotos werden mit Lightroom etwas bearbeitet und archiviert. Ich fotografiere grundsätzlich im RAW-Format:


Weitere Links:                  

http://www.fotocommunity.de/                                                   Pentax /Ricoh                                              Promobil-Forum