Südfrankreich + Nordspanien März 2017

Während hier im Schwarzwald noch Schnee auf den Bergspitzen liegt, aber die ersten Frühlingsknospen schon sprießen, sind meine Gedanken schon wieder "on the road". Für die erste große Reise in 2017 liegt das Ziel weit im Süden. Aragonien, die dünn besiedelte spanische Region mit der Halbwüste Europas (Unesco-Naturreservat) erwartet mich. Auch rund  um die Pyrenäen gibt es einiges zu entdecken, ich lasse mich überraschen. Das Wohnmobil ist startklar, das Wetter gut, also geht es am 13. März 2017 los. Wie immer, werde ich auch diesmal zeitnah berichten und erste Fotos einstellen soweit ich WLan unterwegs zur Verfügung habe. Mautpflichtige Autobahnen werde ich möglichst meiden, also geht es wohl überwiegend auf Regionalstraßen gen Süden.

13.03.2017

Bei bestem Wetter ging es heute recht flott bis Lapalisse in der Auvergne, eine kleine Nachbarstadt von Vichy, mit einem Schloss. Es gibt hier einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz schön gelegen am Kanal. Es war auch noch Zeit für einen kleinen Rundgang durch den Ort. Hier die ersten Fotos:

Zum schmunzeln: Oft vergesse ich irgendeine Sache einzupacken, diesmal waren die Geschirrhandtücher dran. Das merkte ich in diesem Ort nach dem Abwaschen. Just in dem Augenblick klopfte es am Wohnmobil, eine ältere Französin stand vor dem Auto und verkaufte etwas, ratet mal was? Richtig! Handtücher!  Sachen gibt's die gibt's gar nicht. Habe ihr natürlich gleich eins abgekauft.

14.03.2017

Vier Stunden im Nebel durch Südfrankreich gestochert, richtig dicke Suppe, es war mühsam und volle Konzentration erforderlich. Als es endlich geschafft war, befand ich mich schon fast am Ziel. Es liegt südlich von Bordeaux am Atlantischen Ozean, genauer gesagt bei Biscarosse hinter den Dünen in einem Pinienwald, dort stehe ich gerade während ich dies schreibe. Natürlich war die erste Aktion ein Strandbesuch am Atlantik. Eine gewaltige Brandung und endloser Sandstrand erwartete mich. Die Sonne schien wieder, es war angenehm warm, nur der starke Wind störte etwas. Auffallend war das viele Strandgut in Form von Plastikmüll, Flaschen usw., im Gegensatz hierzu sind Dänemarks Küsten davon noch weitestgehend verschont geblieben. Das Hinterland ist hier touristisch voll erschlossen, man mag sich kaum vorstellen was hier im Sommer los ist. Nach der Strandwanderung wurde die Bordküche angeworfen. Es gab selbstgemachten Kartoffelsalat (Zutaten vorher im Supermarkt gekauft) und Lammkoteletts. Gestern gab es übrigens "Dosenfraß" das nur nebenbei. Jetzt Mitte März stehe ich mit noch zwei Wohnmobilen fast alleine im großen Pinienwald, die Ruhe ist überwältigend.

15.03.2017

Vom Atlantik ging es rasch weiter in spanische Gefilde. Der südliche Küstenabschnitt der Bretagne hat mich, ehrlich gesagt, nicht vom Hocker..äh Fahrersitz gerissen. Deshalb fuhr ich gespannt meinem großen Ziel entgegen, die Halbwüste Europas "Les Bardenas" bei der kleinen Stadt Arguedas. Bei Pamplona fiel das Navi aus, eine Karte hatte ich leider nicht dabei. Aber irgendwann hatte ich die richtige Abfahrt erwischt und lief am 15.03. gegen Abend in Arguedas ein. Ich wusste, auch hier erwartete mich ein kostenloser Standplatz, und was für einer. Das ganze Dorf liegt an einer langen Felswand aus brüchigem Kalkstein. In diesen Felsen wohnten früher Menschen, die kleinen Höhlenwohnungen mit Kochstellen kann man heute noch besichtigen, was ich natürlich tat. Jedenfalls eine atemberaubende Kulisse !

Als nächstes besichtigte ich das Dorf mit seinen kleinen, verwinkelten Gassen und einer alten Kirche. Im kleinen Fischladen gab es leckeren Fisch zu kaufen und in einer Taverne ruhte ich kurz aus. Mit einem Ehepaar aus Norden, die auch gerade durch Spanien touren, unterhielt ich mich später noch eine ganze Weile.

16.03.-17.03.2017

Per Zufall las ich zuhause irgendwann einmal was über die "Bardenas Reales", eine Halbwüste im Norden Spaniens. Im Jahre 2000 wurde die 46.000 ha große Fläche von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Da wollte ich unbedingt hin und jetzt bin ich dort. An diesen beiden Tagen streifte ich mehrmals durch diese Wüste und befuhr ca. 80 km Lehm- und Schotterpisten, von früh morgens 7 Uhr bis zum Sonnenuntergang. Die ganze Farbenpracht dieser unbeschreiblichen Naturwunder wollte ich bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen erleben und natürlich auch

fotografieren. Der größte Teil dieses riesigen Areals besteht aus Ton- oder Lehmboden und ist von starken Erosionen gezeichnet.  Wind und Wasser haben an vielen Stellen riesige Gräben und tiefe Löcher hinterlassen und bizarre Felsformationen geformt. Eine Landschaft, die es so kein zweites Mal in Europa gibt. Die Sonne brannte Mitte März schon heftig und das Thermometer zeigte mittags 23 Grad an. Im Sommer ist es hier  wohl kaum auszuhalten. 

18.03.2017

Auf Riglos, einem kleinen Bergnest stieß ich per Zufall. Dieser Ort ist nur unter Bergsteigern bekannt wie ich mir sagen ließ. Steile Felsen steigen hier bis zu 900m senkrecht in die Höhe, an denen die Kletterer sich austoben. Hier verweilte ich den ganzen Tag und genoss die wunderbare Atmosphäre. Ein kostenloser Stellplatz für die Nacht war auch schnell gefunden und abends in der kleinen spanischen Taverne mit Biergarten ließ es sich aushalten.

19.03.2017

Schweren Herzens verabschiede ich mich von diesem Ort, einer wirklichen Perle, und lasse mich gemächlich durch die mediterane Landschaft Nordspaniens treiben. Eine weite hügelige Landschaft, die mich sehr an die Toscana erinnerte,  bis irgendwann in der Ferne die hohen Berge der Pyrenäen auftauchten. Hier wurden die kleinen Regionalstraßen sehr schmal und kurvenreich, ja zum Teil ging es sogar spektakulär durch wilde Schluchten mit überhängenden Felswänden. Entgegen kommenden Fahrzeugen konnte nur in kleinen Buchten  ausgewichen werden. Ich passierte drei vollkommen verlassene Dörfer, wo nur noch Ruinen zu sehen sind und streifte dort ein wenig umher. Eine perfekte Kulisse für gruselige Filme. Es ging über einen hohen Pass,  wo noch Schnee lag,  und dann steil abwärts in ein kleinen Nest mit vier Häusern und einem kleinen Campingplatz. Für 13€ die Nacht einschließlich Strom, Duschen und  Internet  der perfekte Platz.

20.03.2017

Und weiter ging es auf kurvenreicher Straße, die französische Grenze wurde passiert und bald schon war ich raus aus den Pyrenäen. Ein volles Programm erwartete mich an diesem Tag. Auf der Autobahn an Toulouse vorbei bis nach Carcassonne. Dort wollte ich nur eines, nämlich die Cite, das Unesco-Weltkulturerbe, die größte Festungsstadt (Burganlage)  Europas, fotografieren und zwar möglichst in einer Totalansicht, was sich als sehr schwierig herausstellte. Endlich nach langer Kurverei fand ich einen kleinen Winzerweg und bog dort ab. Da lag sie nun, in voller Breitseite vor mir und die Sonne hinter mir. Einen besseren Platz gibt es nicht. Ein fotografischer Traum ging in Erfüllung.

Das Besichtigungsprogramm ersparte ich mir, aber  an dieser Aussicht aus meinem Wohnmobil werde ich mich noch lange erinnern. Was folgte, waren weitere Highlights auf dieser Reise. Es ging in das Land der Katharer oder was davon noch  übrig ist. Die "Reinen" wie sich die Katharer selbst bezeichneten, entsagten im frühen Mittelalter des 12. Jahrhunderts allen materiellen Gütern und lebten sehr einfach und bescheiden die "reine" Jesus-Lehre, bis sie den Zorn des Papstes und des Königs auf sich zogen da sie ja kaum noch den "Zehnten" abführen konnten. 100 Jahre dauerte das Morden an, bis die letzten dieser "Abweichler" im Namen Gottes dahingeschlachtet wurden. Die Truppen des berüchtigten Simon de Montfort säuberten Stadt für Stadt, Dorf für Dorf. Es war ein Kampf der Besitzlosen gegen Besitzenden, eine barbarische Blutspur zog sich durch ganz Südfrankreich. Es wurde keine Rücksicht genommen, ob man nun Katholik oder Feind war. "Tötet sie alle, der Herr wird die seinen schon erkennen" war der päpstliche Aufruf.

 

Zwei ehemalige Katharer-Dörfer, Lagrasse und Minerve besuchte ich. Sie zählen heute zu den 100 schönsten Dörfern Frankreichs. Das Schicksal von Minerve besiegelte im Jahre 1209 ein Geschoss der Angreifer, das im einzigen Dorfbrunnen einschlug so dass sich alle Bewohner ergeben mussten, was ihnen aber wenig half. Wer seinem Glauben abschwor, durfte weiterleben. Die anderen, und das waren die meisten, wurden im Namen Gottes im trockenen Flussbett auf riesigen Scheiterhaufen verbrannt, egal ob Frau, Kind, Mann oder Greis. Heute leben in Minerve keine 100 Menschen mehr, durch den Gang der schmalen Gassen ging mir die grausige Geschichte ständig durch den Kopf. Eine Jahrhunderte, ja zwei Jahrtausende anhaltende lange Blutspur der Kirche, mit den Hugenotten könnte man hier unmittelbar fortfahren, da wir ja in Frankreich sind....

21.03.-23.03.2017

Nachdem ich noch einen weiteren Tag hier verweilte, ging es anschließend weiter durch die liebliche Landschaft des Languedok in Südfrankreich. Man hat das Gefühl, mehr als die Hälfte der Landschaft wird für den Weinanbau genutzt, überall sieht man um diese Zeit die braunen Rebstöcke oft kilometerweit auf den Feldern. Im Herbst zur Weinlese sieht es bestimmt fantastisch aus wenn sich alles rotbraun verfärbt. Im März wirkt es etwas öde. Aber dafür entdeckte ich nach nach einiger Fahrzeit eine weitere herrliche kleine Stadt, nämlich "Roquefort" wo ich auf dem örtlichen, preiswerten kleinen Campingplatz eincheckte. Dicht gedrängt schmiegen sich die bunten, alten Häuser an einen Berghang. Mit einer alten Bogenbrücke über einen Fluss ergibt alles zusammen ein Gesamtkunstwerk. Im ganzen Ort gibt es nur einen kleinen Tante-Emma-Laden und eine kleine Taverne. Hier saß ich abends draußen und genoss bei einem Pastis die wunderbare Stimmung dieses südfranzösischen Dorfes. Mit einem letzten Foto von Roquefort verabschiede ich mich von den südlichen Gefilden, denn nach zwei Tagen ging es wieder auf die Heimreise.

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"Vor uns lag noch ein längerer Weg. Uns sollte es   recht sein. Der Weg ist das Leben."      

                                                                                                                                                (Jack Kerouac)

 

„Wirklich weise ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat als die Realität zerstören kann"

   (Indianische Weisheit))

 


Meine Ausrüstung:

Pentax K-3 II Spiegelreflexkamera                                                                  Pentax 18-135mm Objektiv                                                               Pentax DA 16-85mm

Pentax DA 55-300mm Objektiv                                                                        Pentax DA 14mm Weitwinkel Objektiv                                      Stativ, Blitz und diverse Filter

 

                                              Die Fotos werden mit Lightroom etwas bearbeitet und archiviert. Ich fotografiere grundsätzlich im RAW-Format:


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